Turfroom

Wie nehmen wir sie wahr, die Welt zu unseren Füßen?

Am Anfang meines Projektes Turfroom bin ich der kulturellen Dimension der Jeans auf den Grund gegangen. Schnell erkannte ich, dass die Jeans die Ikone der Modeindustrie darstellt. Sie ist längst nicht mehr nur eine Arbeitshose, sondern wird quer durch alle Schichten und zu jedem Anlass getragen. Dieser Fakt macht sie für mich zu einem globalen Medium. Im weiteren Verlauf meiner Recherche zeigte sich, dass die Jeans nicht nur das Paradebeispiel für die kapitalistische Modeindustrie ist, sondern außerdem zutreffend beschreibt, wie sich das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt gestaltet. Ich glaube, dass dieses Verhältnis von einer verloren gegangenen Verbundenheit mit der Natur geprägt ist. Der Mensch macht sich die Welt zum Untertan – er beutet sie und seine Mitmenschen regelrecht aus. Er respektiert die Natur, aus der er einst entsprungen ist, nicht mehr.

Ausgehend von der Jeans als Kleidungsstück, kehrte ich den Weg der Herstellung um und zerlegte sie in ihre Einzelteile. Ich untersuchte die Jeans auf ihre Materialität, begutachtete jedes Detail und trennte die Nähte auf. Was ich zu sehen bekam, war das Schnittmuster:

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Beim Anblick des vor mir ausgebreiteten Schnittmusters, eröffneten sich in mir Visionen einer künstlerischen Visualisierung und mir wurde klar, dass dieses Schnittmuster das Medium meiner Arbeit sein wird. Dann übertrug ich das Schnittmuster in den Raum. Ich verwendete Rollrasen als Stoff und schnitt daraus die einzelnen Teile der Hose. Die Wunde, die ich der Erde damit zufügte, erschloss sich mir als Zusammenhang zu dem, wie der Mensch die Erde zerfleischt und ausmerzt.

Ich widme meine Arbeit der Kraft, die der Natur inne wohnt. Ich möchte sie damit ein Stück weit wieder mehr ins Bewusstsein holen. Deshalb nutze ich den Rasen als Medium und reiße ihn aus seinem natürlichen Umfeld. Ich unterwerfe das, was scheinbar „von selbst“ aus der Erde wächst, meine gestalterischen Prinzipien. Damit versuche ich in die gewohnte Wahrnehmung einzugreifen und ein besonderes Naturerlebnis zu erzeugen. Die Arbeit Turfroom ist eine Installation, die für den Besucher begehbar ist. Sie wird also nicht nur über den Akt des Sehens wahrgenommen, sondern auch über den des Fühlens, Hörens und Riechens.

 

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Turfroom (2016)
Umfang der Arbeit: 50 m2 Rollrasen, 20 l Erde, 2 Kleiderstangen, 5 Fleischerhaken, 2 Metallketten